Bildschirmzeit bei Kindern: Empfehlungen und 8 Regeln
Zé · Veröffentlicht am 21. Oktober 2026
Wie viel Bildschirmzeit für Kinder empfohlen wird, hängt davon ab, wen man fragt, aber die Größenordnung ist ähnlich: unter 3 Jahren möglichst gar keine Bildschirme, im Kindergartenalter höchstens etwa eine halbe Stunde am Tag, im Grundschulalter je nach Stelle 45 Minuten bis eine Stunde, mit 9 bis 10 Jahren in der Schweiz bis zu anderthalb Stunden. Für Ältere raten mehrere Stellen eher zu einem Wochenbudget. Unten stehen die Zahlen der offiziellen Stellen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Quelle, danach 8 Regeln für den Familienalltag und wie ein Mediennutzungsvertrag funktioniert.
Was offizielle Stellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz empfehlen
Deutschland: BIÖG (früher BZgA)
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), die frühere Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, nennt auf seinem Elternportal kindergesundheit-info.de in der Infografik „Bildschirmmedien im Familienleben – 6 Empfehlungen“ (Stand November 2025) diese Richtwerte:
- Unter 3 Jahren: möglichst keine Bildschirmmedien.
- 3 bis 6 Jahre: maximal 30 Minuten täglich.
- 7 bis 11 Jahre: maximal 1 Stunde täglich.
Eine zweite Übersicht auf demselben Portal, die Tabelle „Wie oft und wie lange dürfen Kinder Medien nutzen?“ (Stand September 2025), ist für die Jüngeren strenger: für 6- bis 9-Jährige zusammen höchstens 45 Minuten Bildschirmmedien, und das möglichst nicht täglich. Dazu kommen Empfehlungen, die nichts mit Minuten zu tun haben: beim Essen und eine Stunde vor dem Schlafen eine Bildschirm-Pause, Fernseher, Computer und Konsole nicht im Kinderzimmer, mehr Bewegungszeit als Bildschirmzeit und altersgerechte Inhalte gemeinsam anschauen.
Schweiz: Jugend und Medien
Die nationale Plattform Jugend und Medien gibt zur Orientierung an: Kinder zwischen fünf und acht Jahren sollten in ihrer Freizeit nicht länger als 30 bis 60 Minuten pro Tag vor dem Bildschirm sein, mit neun bis zehn Jahren können es maximal eineinhalb Stunden sein. Gemeint ist immer die gesamte Bildschirmzeit: Fernsehen, Gamen, Handy und Internet. Je älter die Kinder werden, desto mehr empfiehlt die Plattform wöchentliche Kontingente und feste Offline-Zeiten anstelle täglicher Vorgaben.
Österreich
Ende September 2026 hat das Bildungsministerium eine Kampagne unter dem Motto „Die beste Verbindung ist offline“ vorgestellt und konkrete Hilfen für Eltern angekündigt. Bei der Vorstellung nannte der Kinderarzt Klaus Vavrik laut ORF als Richtschnur: von null bis drei Jahren bildschirmfrei, danach mindestens bis zum Alter von neun Jahren Bildschirme nur kurz und in Begleitung Erwachsener, für Kinder ab zwölf höchstens zwei Stunden am Tag.
Auf einen Blick
- 0 bis 3 Jahre: möglichst keine Bildschirme (BIÖG), bildschirmfrei (Vavrik, Österreich).
- 3 bis 6 Jahre: höchstens 30 Minuten täglich (BIÖG).
- 5 bis 8 Jahre: 30 bis 60 Minuten Bildschirmzeit in der Freizeit pro Tag (Jugend und Medien).
- 6 bis 9 Jahre: zusammen höchstens 45 Minuten, möglichst nicht täglich (BIÖG-Tabelle).
- 7 bis 11 Jahre: höchstens 1 Stunde täglich (BIÖG-Infografik).
- 9 bis 10 Jahre: höchstens eineinhalb Stunden (Jugend und Medien).
- Ab 12 Jahren: höchstens 2 Stunden am Tag (Vavrik, Österreich).
Alle Werte sind Richtwerte zur Orientierung. Sie helfen vor allem dabei, eine Zahl für die eigene Familie festzulegen, die alle kennen.
8 Regeln für die Familie
- Eine Zahl festlegen, gemeinsam. Orientiert euch an den Richtwerten oben und schreibt die Zahl auf: pro Tag für Jüngere, pro Woche für Ältere.
- Alles zählt. Fernsehen, Konsole, Tablet, Handy und Computer in der Freizeit kommen in einen Topf, sonst folgt auf die Tablet-Zeit noch eine Stunde Fernsehen.
- Bildschirmfreie Orte: Esstisch und Kinderzimmer. Das BIÖG empfiehlt ausdrücklich, Fernseher, Computer und Konsole nicht ins Kinderzimmer zu stellen; das Handy kann nachts im Flur laden.
- Bildschirmfreie Zeiten: beim Essen, in der Stunde vor dem Schlafen und zu festen Offline-Zeiten, etwa am Sonntagvormittag.
- Das Ende ankündigen und in Einheiten denken. Fünf Minuten vorher Bescheid geben. Bei Spielen lieber Runden oder Level vereinbaren als Minuten, bei Serien eine Folge.
- Vorbild sein. Das eigene Handy beim Essen weglegen und im Gespräch nicht nebenbei aufs Display schauen. Regeln, die für alle gelten, sind leichter zu vertreten.
- Gemeinsam schauen und darüber reden. Sendungen oder Spiele zusammen aussuchen, ab und zu mitspielen und fragen, was daran gefällt.
- Alternativen griffbereit haben. Eine Kiste mit Büchern, Spielen, Bastelzeug oder ausgedruckten Challenges macht das Abschalten leichter, weil die nächste Idee schon da ist.
Der Mediennutzungsvertrag: so funktioniert er
Ein Mediennutzungsvertrag hält die Familienregeln schriftlich fest, mit Unterschrift von Kind und Eltern. Die Initiativen klicksafe und Internet-ABC bieten dafür unter mediennutzungsvertrag.de ein Online-Werkzeug an. Es hat Vorlagen für 6- bis 12-Jährige und für Kinder ab 12, mit vorbereiteten Regeln zu Nutzungszeiten, Handy, Internet, Fernsehen und Spielen, ausdrücklich auch mit Regeln für die Eltern. Die Regeln lassen sich ändern oder neu schreiben, der fertige Vertrag wird als PDF ausgedruckt. So geht ihr vor:
- Einen ruhigen Moment wählen, nicht direkt nach einem Streit.
- Gemeinsam 5 bis 8 Regeln auswählen; das Kind schlägt mindestens zwei selbst vor.
- Für jede Regel vorher festhalten, was passiert, wenn sie gebrochen wird.
- Beide Seiten unterschreiben, der Vertrag hängt sichtbar, etwa am Kühlschrank.
- Einen Termin zum Überprüfen festlegen, zum Beispiel nach den nächsten Ferien oder zum Geburtstag, und die Regeln dann ans Alter anpassen.
Bildschirmzeit-Einstellungen am Gerät: hilfreich, aber nicht alles
Smartphones, Tablets und Spielkonsolen haben eingebaute Funktionen für Zeitlimits, Altersfreigaben und Kaufsperren: bei Apple unter „Bildschirmzeit“, bei Android-Geräten über Google Family Link, bei Konsolen in den Jugendschutz- oder Familieneinstellungen. Sie nehmen euch das ständige Erinnern ab, und In-App-Käufe lassen sich dort sperren. Zwei Grenzen bleiben: Der Fernseher im Wohnzimmer zählt meist nicht mit, und das Gespräch über die Regeln ersetzt keine Einstellung. Am besten richtet ihr die Limits gemeinsam mit dem Kind ein, passend zu dem, was im Vertrag steht.
Wenn es Streit gibt
- Die Uhr sichtbar machen: Ein Küchenwecker neben dem Sofa zeigt allen, wie viel Zeit noch bleibt. Dann ist der Wecker der Spielverderber, nicht ihr.
- Am natürlichen Ende stoppen: nach der Folge oder dem Level, nicht mitten im entscheidenden Moment.
- Folgen vorher vereinbaren: Was beim Überziehen passiert, steht im Vertrag. Dann muss niemand im Ärger etwas erfinden.
- Den Übergang planen: Direkt nach dem Ausschalten kommt etwas anderes, zum Beispiel Abendessen, Rausgehen oder eine Runde Karten.
- Später reden, nicht im Streit: Wenn sich der Ärger gelegt hat, gemeinsam prüfen, ob die Regel noch passt.
Was statt Bildschirm?
Eine Regel ist leichter einzuhalten, wenn die freie Zeit nicht leer bleibt. Ideen nach Dauer und Laune sammeln wir in Kinder beschäftigen ohne Bildschirm, und was hilft, wenn danach „Mir ist langweilig“ kommt, steht in Langeweile bei Kindern: Was tun?. Für 7- bis 12-Jährige gibt es unser Buch 100 Challenges ohne Bildschirm: eine Challenge pro Seite mit Dauer (meist 5 bis 45 Minuten), Spielerzahl und Material, als PDF zum Ausdrucken zu Hause. Mehr in der Rubrik Aktivitäten ohne Bildschirm. Und für lange Autofahrten, bei denen das Tablet oft als Erstes ausgepackt wird, sammeln wir 25 Spiele in Spiele für die Autofahrt; für Reisen und Ferientage gibt es außerdem die 100 Ferien-Challenges ohne Bildschirm.
Für die Zeit ohne Bildschirm
Häufige Fragen
Wie viel Bildschirmzeit ist für ein 10-jähriges Kind empfohlen?
Das BIÖG nennt für 7- bis 11-Jährige maximal eine Stunde täglich, die Schweizer Plattform Jugend und Medien für 9- bis 10-Jährige maximal eineinhalb Stunden in der Freizeit. Für ältere Kinder empfiehlt Jugend und Medien eher ein Wochenbudget, das Spielraum für einen Filmabend am Wochenende lässt.
Zählen Hausaufgaben am Computer zur Bildschirmzeit?
Die Schweizer Richtwerte beziehen sich ausdrücklich auf die Freizeit, Schularbeiten sind dort nicht gemeint. Legt in der Familie fest, wie ihr es haltet, und trennt Schulzeit und Freizeit am Gerät klar, damit aus der Recherche nicht nebenbei eine Videopause wird.
Ist ein Wochenbudget besser als ein Tageslimit?
Für jüngere Kinder ist ein festes Tageslimit leichter zu verstehen. Für ältere empfiehlt Jugend und Medien wöchentliche Kontingente: Das Kind teilt seine Zeit selbst ein, zum Beispiel weniger unter der Woche und mehr am Wochenende.
Ab welchem Alter ist ein Mediennutzungsvertrag sinnvoll?
Die Vorlagen von klicksafe und Internet-ABC beginnen bei 6 Jahren, eine zweite Version gibt es ab 12. Sobald ein Kind die Regeln lesen und unterschreiben kann, lässt sich ein einfacher Vertrag mit drei oder vier Regeln aufsetzen.

